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Workshop 3 - Strategische Kultur: Narrative zur Aktivierung der Bürgerinnen und Bürger? | 19. Bensberger Gespräche 2024 | bpb.de

19. Bensberger Gespräche 2024 Zusammenfassung Einführende Bemerkungen Eröffnungsstatements Podiumsdiskussion: „Dienen“ für Deutschland Aktuelle Stunde zum Nahost-Konflikt Open Space Workshop 1 - Opferbereitschaft von Soldatinnen und Soldaten Workshop 2 - Debatte zur Wiedereinsetzung der Wehrpflicht Workshop 3 - Strategische Kultur Workshop 4 - „Geistige Landesverteidigung“ Workshop 5 - Die Werteentwicklung in der Gesellschaft Vortrag - Vergleich der Dienste an der Gesellschaft Impulsvortrag und Diskussion: Ideen für ein verpflichtendes Gesellschaftsjahr für alle Podiumsdiskussion: Einsatz für die Gesellschaft und die Demokratie

Workshop 3 - Strategische Kultur: Narrative zur Aktivierung der Bürgerinnen und Bürger?

Ruth Malzkorn

/ 3 Minuten zu lesen

Mit Hilfe der Expertise des wissenschaftlichen Mitarbeiters Dr. Charalampos Karpouchtsis von der Helmut-Schmidt-Universität Hamburg erhielten die Teilnehmenden einen Einblick in das Konzept der Strategischen Kultur und lernten dieses am Beispiel Deutschlands anzuwenden.

Die Teilnehmenden des Workshops lernten das Konzept der Strategischen Kultur in Bezug auf Deutschland anhand eines Analyseschemas und eines positiv besetzten Ereignisses deutscher Geschichte anzuwenden. (© Bundeswehr/Caldas Hofmann) (© Bundeswehr/Caldas Hofmann)

Dr. Charalampos Karpouchtsis, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Politikwissenschaft an der Helmut-Schmidt-Universität/Universität der Bundeswehr Hamburg, startete den Workshop mit einem einführenden Vortrag über das Konzept der Strategischen Kultur, das seit den 1970er Jahren diskutiert wird. Strategische Kultur werde dabei als „weithin geteilte[n] gesellschaftliche[n] Werte, Normen und Überzeugungen verstanden, die Einfluss auf sicherheitspolitische Präferenzen und Entscheidungen nehmen“. Als „ein sich entwickelndes System gemeinsamer Einschätzungen“ beeinflusse Strategische Kultur „Kommunikation, Wahrnehmungen und Handlungen einer Gruppe“. In der Wissenschaft haben sich im Laufe der Zeit zwei Denkrichtungen herausgebildet: Eine Denkrichtung sehe die Strategische Kultur als Ursache („Kausalität“) für Handlung; die andere verstehe Strategische Kultur als „Kontext“ für Handlung. In groben Zügen gehe es bei diesen Diskursen um die Frage, ob Strategische Kultur durch strategische Ziele entstehe, oder ob sie strategische Ziele generiere.

Strategische Kultur in Deutschland

Während Strategische Kultur stark von den Eliten geprägt sei, müsse sie aber ebenfalls zur Realität der Bevölkerung passen bzw. es müsse darüber einen gesellschaftlichen Dialog geben. Hierfür brauche es positive Beispiele in der Geschichte (z. B. einen Kampf um Befreiung oder Widerstand), die in der Kommunikation nach innen (Gesellschaft) und nach außen (Staatengemeinschaft) sowie zwischen den Bevölkerungsgruppen bzw. zwischen Eliten und Bevölkerung erfasst werden. Dadurch werde eine Sicherheitsgemeinschaft zur Strategieerfüllung befähigt.

Im nächsten Teil des Workshops sollten die Teilnehmenden anhand eines Analyseschemas das Konzept der Strategischen Kultur in Bezug auf Deutschland selbst anwenden. Hierfür wurden drei Fragestellungen vorgegeben: Erstens, aus welchen Ereignissen mit Bezug zu Deutschland können wir positive Narrative ableiten bzw. fördern? Zweitens, wie lassen sich diese operationalisieren, kommunizieren, und in bestehende Narrativstrukturen integrieren? Drittens, wie hängen sie mit dem Ziel zusammen, die Dienstbereitschaft an der Gesellschaft zu erhöhen? Wichtig sei dabei, den historischen Kontext zu berücksichtigen sowie das konkrete Ereignis bzw. den Moment der Veränderung zu beschreiben. Im nächsten Schritt stelle sich die Frage, welche Narrative, aber auch Gegennarrative durch das bzw. über das Ereignis entstehen. Relevant sei dabei, ob sich die entstehenden Narrative und/oder Gegennarrative auf die Handlungsfähigkeit und Entscheidungswirkung auswirken.

Auf Basis dieses Analyseschemas und der Operationalisierung erarbeiteten sich die Teilnehmenden in Kleingruppen anhand von selbst ausgewählten Ereignissen mit Bezug zu Deutschland ein Beispiel Strategischer Kultur. Diskussionsergebnisse einer Gruppenarbeit seien hier beispielhaft vorgestellt: Bezüglich der historischen Ereignisse der Friedlichen Revolution und der Deutschen Wiedervereinigung 1989/90 sammelten die Teilnehmenden Narrative in der Gesellschaft, wie bspw. „Wir sind ein Volk“, „Es wächst zusammen, was zusammengehört“, „Demokratie setzt sich durch“, „ein friedlicher Weg war erfolgreich“. Als Gegennarrative benannten die Teilnehmenden Schlagwörter wie „Feindliche Übernahme“ oder „Ost-West-Differenzen“. Hieraus abgeleitete Zielformulierungen seien nach Diskussion der Teilnehmenden beispielsweise Einheit, Souveränität, eine Nation, gleiche Chancen und Entpolarisierung. Im letzten Schritt stellten die Teilnehmenden konkrete Ideen vor, um Strategische Kultur am Beispiel der Friedlichen Revolution bzw. der Deutschen Wiedervereinigung zu stärken: So könnte der Tag der Deutschen Einheit überall in Deutschland im Sinne von selbst organisierten, fest in der Gesellschaft verankerten Volksfesten gemeinsam gefeiert werden; der Prozess der Wiedervereinigung könnte im Schulalltag stärker durch Exkursionen und Veranstaltungen zu dieser Thematik verankert werden; die Erfahrungen von Zeitzeuginnen und Zeitzeugen könnten stärker gesellschaftlich eingebunden und präsent gemacht werden.

An diese Gruppenarbeiten schloss sich eine Diskussion an, ob wir heute in einer Gesellschaft der Singularitäten leben und ob eine Aktivierung für das „Dienen“ für die Gesellschaft möglich sei.

Moderation: Dr. Charalampos Karpouchtsis, Helmut-Schmidt-Universität/Universität der Bundeswehr Hamburg
Dokumentation: Ruth Malzkorn

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